Konsum und Verhalten in kapitalistischen und postmaterialistischen Gemeinschaften

Konsum ist ein komplexes Agieren in der Gesellschaft, welches zum einen selbstverständlicher Bestandteil unseres soziokulturellen Lebens ist und zum anderen durch Individuen, Gruppen und Institutionen gestaltet wird. In westlichen Wirtschaftswissenschaften hingegen werden Konsumstrukturen häufig nur als Teil eines öko­nomischen Kreislaufes von Produktion, Distribution und Konsum gedacht.

Weg von dieser hegemonialen und „westlich“ geprägten Diskussion von Massenkonsum und Konsumgesell­schaft(en) bestimmen Konsumgewohnheiten soziale Handlungen und Beziehungen und haben im Kontext von Globalisierungen Auswirkungen auf lokale und globale Praktiken. Während westlich sozialisierte Öko­nom_innen oftmals eine „Konsumüberforderung“ für den globalen Norden konstatieren, verdeutlichen ethno­grafische Studien, dass Konsum so viel mehr bedeutet als Dinge zu kaufen, zu nutzen und zu verbrauchen. Denn Gemeinschaften im Sinne Tönnies, die sich durch ein starkes „Wir-­Gefühl“ definieren und sich klar von anderen Gruppen abgrenzen, können durch den bewussten Kon­sum ihre eigenen gesellschaftlichen Determinanten mit­gestalten. Dies gelingt, da jede Form von materiellem Besitz eine soziale Bedeutung in sich trägt und somit als ein zwischenmenschliches Kommunikationsmittel ange­ sehen werden kann. So dienen Konsumpraktiken nicht ausschließlich der Bedürfnisbefriedigung, sondern der Herstellung und Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen. Auch die soziologischen Klassiker Die feinen Unterschiede (Bourdieu) oder The World of Goods (Mary Douglas) verdeutlichen, dass Konsumstrukturen Klassenbeziehun­gen reproduzieren oder auch Kultur stabilisieren.
Aber wie haben sich Konsumpraktiken in der Ge­genwart gewandelt? Wie bestimmen Konsummuster Gemeinschaften und welche Ausdifferenzierungen und Exklusionen finden auf Basis von Konsum statt? Wie konsumieren außereuropäische Gemeinschaften und Gesellschaften und welche Unterschiede lassen sich in postmaterialistischen Gemeinschaften hinsichtlich in­tersektionaler Fragestellungen ausmachen? Welchen Einfluss haben etwa Individualisierungstendenzen sowie Auseinandersetzungen in Medien und Politik auf das Konsumverhalten? Wie steht es um die Zukunft der vielumschriebenen Konsumgesellschaft? Welche Rolle spielen Rituale, Feste und Praktiken wie Gabentausch in diesem Zusammenhang? Und welchen Beitrag können soziologi­sche Theorien bei der Beantwortung dieser Fragen leisten?
Der Call For Papers des Soziologiemagazins läuft noch bis zum 1. Juni 2018. Einsendungen sind an die Adresse einsendungen[at]soziologiemagazin.de zu richten. Alle weiteren Hinweise findet ihr hier.

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