US-PRÄSIDENTSCHAFTSWAHL: INTERVIEW MIT KAI-UWE HÜLSS ÜBER DIE ENTWICKLUNG DER VORWAHLEN

DNGPS: Herr Hülss, Sie berichten auf ihrem deutschsprachigen Blog über die US Wahlen. Wie ist es zu diesem Projekt gekommen?

Herr Hülss: Die Präsidentschaftswahlen 2016 werden spannend wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Insbesondere das republikanische Bewerberfeld zeichnet sich – im Gegensatz zu vergangenen Wahlen – als qualitativ und quantitativ hochwertig aus, so dass ein langer, enger Vorwahlkampf zu erwarten ist. Deutschsprachige Medien konzentrieren sich jedoch zumeist lediglich auf ein mögliches Duell Clinton gegen Bush. Dem greift jedoch zu kurz, so dass mit dem Projekt #Blog1600Penn auch dem deutschsprachigen Medienkonsumenten ein Blick über den Tellerrand ermöglicht wird.

DNGPS: Sie stellen auf ihrem Blog die Kandidaten der Demokraten und Republikaner dar. Gerade bei den Republikanern gab es eine Flut an neuen Kandidaten. Wie erklären sie sich dies?

Herr Hülss: Die Umstände für solch eine unüblich hohe Anzahl an Bewerbungen sind nahezu optimal: Einerseits steht der Amtsinhaber nicht zur Wiederwahl. Andererseits spricht die Statistik gegen eine Verteidigung des Weißen Hauses durch die Partei des Amtsinhabers. Im vergangenen halben Jahrhundert konnte lediglich 1988 George Bush Sr. das Oval Office für seine Partei als Nachfolger von Ronald Reagan verteidigen. Der Anreiz einer Bewerbung für die republikanische Kandidatur ist folglich schon im Allgemeinen hoch.

Des Weiteren gibt es eine Vielzahl individueller Gründe. Die jungen Senatoren Rubio, Cruz und Paul dürften sich Obamas Weg in das Weiße Haus als Vorbild genommen haben, der ebenso vor seiner Wahl zum Präsidenten keine ganze Legislaturperiode als Senator abgeleistet hat. Ein bis 2008 eher unüblicher politischer Werdegang eines Präsidenten.
Bleibt die Frage, weshalb so viele Kandidaten mit kaum oder keiner Aussicht auf Erfolg in den Wahlkampf eintreten. Zum einen darf für diese Kategorie Santorum als Hoffnung gelten, der 2012 mit wenig Mittel dennoch als größter Konkurrent von Romney in das Scheinwerferlicht trat.
Zum anderen gilt der Vorwahlkampf als Chance seinen Ruf zu erneuern (Perry, Pataki, Christie) und als Eigenwerbung (Trump, Huckabee) bzw. als Türöffner für nachfolgende Anstellungen. Ebenso ist es in den vergangenen Jahren einfacher geworden, einen Wahlkampf zu finanzieren – Stichwort Super PACs.
DNGPS: Sie bewerten auch welche Kandidaten Chancen hätten aufgestellt zu werden. Woran machen Sie dies fest?

Herr Hülss: Zu den Bewertungskriterien gehören u.a. die Spendenakquise, nationale Bekanntheit, inner- und außerparteiliche Vernetzung sowie Erfolg und Popularität vergangener politischer Maßnahmen.

DNGPS: Was können wir noch in Zukunft auf Ihrem Blog erwarten? Wird es auch tiefergehende Analysen geben?

Herr Hülss: Bis Ende Juli wird der Fokus auf den Kandidatenvorstellungen liegen. Darauffolgend wird es sicherlich tiefergehende Analysen zu einzelnen politischen Themen, auch in Bezug auf die Auswirkungen einer möglichen Präsidentschaft eines Kandidaten auf Europa, sowie dem Wahlkampf in den sozialen Medien geben. Des Weiteren werden die ab August beginnenden innerparteilichen Debatten analysiert und die im Januar beginnenden Vorwahlen begleitet. Ebenso wird für 2016 schon an der ein oder anderen Überraschung gearbeitet…

DNGPS: Dann freuen wir uns auf ihre weitere Berichterstattung. Vielen Dank für das Gespräch!

Alle Informationen über die Kandidaten findet ihr hier:

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