Maschine-Werden

Das Magazin engagée sucht bis zum 23.04.2017 künstlerische, essayistische, literarische, journalistische, politikwissenschaftliche, politisch theoretische und philosophische Beiträge für das nächste Heft zum Thema ‚Maschine-Werden‚. 

Die Welle 4.0 der digitalen Revolution hat uns längst erfasst: Unaufhörlich und immer tiefer dringen smarte Maschinen, Drohnen und das Internet der Dinge in unsere Lebenswelt ein. Langfristig sind sie sogar darauf angelegt, im Hintergrund unserer Alltagspraxen zu verschwinden – wie Eric Schmidt es formuliert: “The Internet will disappear. It will be part of your presence all the time.”

Beunruhigenderweise wissen wir jedoch immer noch nicht, wie politisch auf die Digitalisierung zu reagieren ist – schließlich sind ihre Folgen nur schwer abschätzbar: Twitter etwa, vor einigen Jahren noch Hoffnungsmedium der arabischen Revolutionen, offenbarte sich zuletzt als fröhlich bespielter Kanal von Trumps Populismus.

Immer offensichtlicher wird also, dass Technik nur über eine Ambivalenz zu definieren ist, die sich auch in ihrer Bewertung niederschlägt: Die Einen affirmieren die Digitalisierung – von Big Data über das Life-hacking bis zum smarten Kühlschrank – als notwendige Medizin, begreifen sie nach wie vor als gegenkulturelle ‘Emanzipationsmaschine’; forcieren mit ihnen sogar akzelerationistisch das Ende des Kapitalismus.

Die Anderen erkennen in den digitalen Innovationen in erster Linie Gift: einen durch sie aufgerüsteten Konsum- und Kontrollapparat, dessen Machbarkeitsethik keine “moralische Phantasie” kennt, dessen Automationsprozesse Arbeitsplatz-, Freiheits- und Weltvernichtung bedeuten; und schließlich vermeinen sie im allumfänglichen Maschinenraum der Daten sogar die Potenziale der Kritik untergehen zu sehen, was dann bedeutet: End of Theory. Die Interfaces des digitalen Neulands sind also von Meinungsgräben durchzogen – und wie die binäre Programmierungslogik aus 0 und 1 scheinen sich allzu häufig blind-technophiler Optimismus und skeptisches Ressentiment weitestgehend unerhört gegenüber zu stehen.

In diesem Spannungsfeld will die fünfte Ausgabe der Zeitschrift engagée. politisch-philosophische Einmischungen konkreter werden, sich den digitalen Entwicklungen – ihren Potentialen und Verwerfungen, Versprechungen und Überforderungen – politisch philosophisch annehmen. Mit Günther Anders gesprochen möchte sie versuchen, „die Kapazität und Elastizität unseres Vorstellens und Fühlens den Größenmaßen unserer eigenen Produkte und dem unabsehbaren Ausmaß dessen, was wir anrichten können, anzumessen; uns also das Vorstellende und Fühlende mit uns als Machenden gleichzuschalten.”

Besonders interessieren uns Interventionen, Auseinandersetzungen und Reflexionen dazu, wie die Digitalisierung das Soziale, das Politische, Formen individueller Subjektivierung sowie gesellschaftliche Individuationsprozesse, theoretische Vorstellungen und praktische Beweggründe affiziert: Welche kulturelle Verschiebungen (Quantified Self, Smombies, Social Freezing etc.), ökonomische Disruptionen (Prekarisierung, Grundeinkommen, Ungleichheit etc.) und realpolitische Irritationen (Data Mining à la NSA, Fake-News à la Trump, Cyberattacken à la Geheimdienst etc.) lassen sich beschreiben, welche Horizonte unter Rückgriff auf welche Begriffe (Postkapitalismus, Kybernetik, Cyberkommunismus, Transhumanismus etc.) aufzuzeigen?

Was ist eigentlich ‘revolutionär’ an der digitalen “Revolution”? Welche realpolitischen Konsequenzen und Formen der Prekarisierung gehen mit der allseits geforderten ‘Newness’ in der plattformkapitalistischen New Economy einher (Uber, airBnB, Facebook etc.)? Und was überhaupt heißt “sozial”, wenn von “sozialen Medien” gesprochen wird?

Wie ist das Verhältnis zwischen equal access und politischer Teilhabe, digitaler Partizipation und politischer Handlungsfähigkeit zu denken? Ist Begriffsarbeit überhaupt noch hinreichend, um die Phänomene und Fragen der “Techno-logie” zu erfassen? Hieße es heute: “Emanzipier dich durch oder von der Technik”, “Willkommen in der Box! oder ‘Fuck off, Google!’”, Kritik der Kontrolle oder Kontrolle der Kritik? Oder verschließen uns derlei Dichotomien nicht doch vielleicht die nötigen Gestaltungs- und Emanzipationsmöglichkeiten?

Neben der dringlichen Kritik digitaler Hierarchien, informationeller Wahrheitsregime und disruptiver Tech-Ökonomien suchen wir nach emanzipativen Möglichkeiten, sich die Technik anzueignen, nach Alternativen zu den gewaltigen Monopolen, nach neuen politischen Formaten, aktivistischen Hackerethiken und Spielweisen, die das Internet ermöglicht. engagée möchte über eine Analyse des Ist-Zustands hinausweisen und fordert mutige Einmischungen – auf der Suche nach wild wuchernden Zukünften.

Die Beiträge sollen nach Möglichkeit eine Länge von 10.000 Zeichen nicht überschreiten und Bildmaterial ist ausdrücklich erwünscht. Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Webseite des Magazins.

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